Montessori-Pädagogik an unserer Schule

Das Ziel unserer Ganztags-Montessori-Grundschule ist es, dass Lernen von Anfang an Freude macht. Um das gemeinsame Lernen und Leben in der Schule positiv zu besetzen, stellen unsere „Erwachsenen“ (ausgebildete Lehrer:innen und Pädagogische Fachkräfte) die persönliche Entwicklung jedes Kinds in den Mittelpunkt und begleiten es achtsam und individuell. Denn wie schon Maria Montessori herausfand und die Hirnforschung und Entwicklungspsychologie heute bestätigt, kann nur selbstgesteuertes Lernen zu echtem nachhaltigen Lernerfolg führt und diese selbstbestimmten Prozesse und zu einer bestmöglichen Gehirnentwicklung des Kindes sorgen.

Was bedeutet dies?

Montessori hat über Jahrzehnte hinweg zugewandt und wertfrei Kinder in Ihrem Lernen beobachtet und dabei festgestellt, dass erfolgreiches Lernen dann stattfindet, wenn Kinder ohne Druck und Bewertung aus ihrer intrinsischen Motivation (von innen) heraus, durch aktives Handeln gemäß ihrer sensiblen Phasen den Lerninhalt, das Tempo und das Lernverfahren selbst bestimmen können. Alle Menschen – vor allem aber Kinder – brauchen und wollen eine klare Orientierung: Freiheit und Selbstbestimmung gedeihen in der Geborgenheit und Sicherheit klarer, verlässlicher und selbst erarbeiteter Grenzen und Regeln.

Wie setzen wir dies um?

Den Rahmen für solche selbstbestimmten Lernprozesse bieten Montessori-Einrichtungen durch das „Herzstück“ der Montessori-Pädagogik, der „Freiarbeit“. Jedes Kind entscheidet für sich: was es arbeitet, ob allein oder mit anderen Kindern, wo es arbeitet und wie lange. So gelangen die Kinder in hohe Konzentrationszustände (Polarisation der Aufmerksamkeit oder Flow-Zustand), setzen sich intensiv mit ihrem Lerngegenstand auseinander und es kommt zu selbständigem und eigenverantwortlichem Lernen und Arbeiten.

Die Erwachsenen bieten täglich montessorische Darbietungen (Materialarbeit) an und auch die vorbereitete Umgebung lädt die Kinder täglich zum „Begreifen“ ein. Die Lernumgebung ist an unserer Schule von hoher Qualität und wird von unseren Erwachsenen sorgsam, vielfältig, anregend und klar vorbereitet. Die Arbeit und die Auseinandersetzung mit den Montessori-Materialien verbinden die Hand- mit der Kopfarbeit. Wie Maria Montessori sagte: „Die Hand ist das Werkzeug des Geistes.“ Durch diese Art von Lernen ist es an unserer Schule nicht relevant, ob ein Kind schneller lernt oder eine Übung zigmal wiederholt, bis es seine Arbeit perfektioniert hat. Jedes Kind kann sich seinem eigenen Tempo entsprechend, konkurrenzlos und ohne einschränkenden Einfluss von außen entwickeln. Jedes Kind findet an unserer Schule seine Entwicklungschance und bekommt die Zeit, die es braucht. Und ja, auch über Freude und eigener Motivation gelingen wahrhaft große Leistungen.

Wir wollen mehr!

Als anerkannte Ersatzschule ist es für uns selbstverständlich, dass die Kinder nach dem Besuch der Grundschule fit sind für die weiterführende Schule. Egal ob es eine Montessorischule oder eine Regelschule ist. Unsere langjährige Erfahrung zeigt: nicht nur inhaltlich sind unsere Kinder fit, sie weisen sowohl eine überdurchschnittliche Selbständigkeit in vielen Bereichen als auch eine hohe Sozialkompetenz auf. Denn auch hierfür nehmen wir uns in unserem Ganztagsbetrieb viel Zeit: wir begleiten die Kinder nicht nur beim Lernen sondern auch in ihrer ganzheitlichen Entwicklung.

Das bedeutet konkret: wir schaffen eine Atmosphäre, in der sich die Kinder in ihrem Sein wertfrei angenommen, geborgen und sicher fühlen können. Neurobiologische Forschungen zeigen, wie wichtig diese Aspekte für eine bestmögliche kognitive und kreative Entwicklung ist. Echtes Lernen und großartige Ergebnisse kommen nur dann zustande, wenn Körper, Geist und Emotionen sich im Einklang befinden. Daher ist uns eine vertrauensvolle und entspannte Atmosphäre von hohem Stellenwert. Doch bei dieser Form des selbstbestimmten Lernens und Lebens geht uns noch um mehr: wir wollen das Selbstwertgefühl der Kinder stärken. Was viele nicht wissen: durch selbstwirksame Momente (selbstbestimmtes Lernen, Entscheidungen) entsteht Selbstwertgefühl. Unsere Welt und unsere Zukunft braucht starke Menschen, die auf allen Ebenen gesund sind und wissen wo ihre Ressourcen und Stärken liegen.

Im erfolgreichen Miteinander steigt die Sozialkompetenz der Kinder und auch hier finden viele Selbstwirksamkeitsmomente statt. Daher leben wir den Kindern wertschätzende und achtsamer Umgang und Kommunikation vor, nehmen uns Zeit Konflikte zu begleiten und zu Lösungen zu finden. Beziehungsarbeit (auch zu den Eltern) hat in unserer pädagogischen Arbeit einen hohe Bedeutung. Auch hier lernt jede*r (auch die Erwachsenen und Eltern) in seinem eigenen Tempo und bringt seine/ihre eigene Entwicklungsaufgaben mit.

++ – Haltung

Uns ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln und vorzuleben, dass es keine Probleme, sondern Herausforderungen gibt. „Unser Glas ist halb voll, nicht halb leer und wir konzentrieren uns auf mögliche Lösungen.“

In den jetzigen Zeiten, die oft mit Ungewissheit, Ängsten und mit zu viel Information daherkommt, ist es umso wichtiger, Kinder gut und positiv zu begleiten. Wertschätzung und Ressourcenorientierung ist hier ein Schlüsselbegriff. Und dabei meinen wir neben vorhandenen Ressourcen, die jeder einzelne Mensch mitbringt, auch den Einfallsreichtum (engl. „ressourcefulness“), wie wir mit Herausforderungen umgehen können. Hier sind Kinder oft wahre Meister.

„Glücklich zu sein ist keine Kunst. Die wirkliche Kunst ist zu wissen, was man tun kann, wenn man unglücklich ist.“ (Jesper Juul)

Begeisterung und Inspiration

Der Erwachsenen begleiten das Kind respektvoll, authentisch und auf Augenhöhe. Sie inspirieren das Kind ohne es zu belehren. Hier lassen wir andere für uns sprechen:

„Nachhaltig lernen kann man erst, wenn es emotional aufgeladen ist, wenn es Freude macht. Nur wenn die emotionalen Zentren erregt werden – wenn zum Beispiel etwas richtig gut gelungen ist oder eine neue Erkenntnis gewonnen wird -, werden im Gehirn diese neuroplastischen Botenstoffe ausgeschüttet. Deshalb finden strukturelle Umformungsprozesse im Gehirn immer dann statt, wenn wir uns im Zustand der Begeisterung befinden.“ (Gerald Hüther, Hirnforscher)

„Die Rolle des Erwachsenen in der Montessori-Umgebung besteht aus zwei Paradoxien: Sie lehren ohne zu unterrichten; sie sind allgegenwärtig, treten jedoch bescheiden in den Hintergrund. Im herkömmlichen Sinn „lehren“ sie gar nicht, sie ermöglichen es vielmehr den Kindern, zu lernen.“ (Maria Montessori)

Naturerfahrung, Kreativität und Nachhaltigkeit

Die Natur ist die beste vorbereitete Umgebung, die es gibt. Daher gibt es bei uns wöchentliche Waldtage mit anschließender Buchwerkstatt, wo es Raum zum Spielen und zum Lernen mit allen Sinnen gibt, für unmittelbare Erfahrungen in der Natur und Kreativität. Dies sehen wir als grundlegende Voraussetzung für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung der Kinder – sowohl auf kognitiver, emotionaler als auch auf körperlicher Ebene. Zudem beweist die Hirnforschung, dass bspw. das Klettern die räumliche Wahrnehmung schult, was wiederum eine sehr günstige Voraussetzung für viele Naturwissenschaften ist. Nicht nur das Lernen in Freiheit sondern auch das Bewegen in Freiheit ist wichtig. Auch bieten wir innerhalb des Schulalltags viele kreative Angebote in Form von Workshops oder integriert in die Freiarbeit. Nachhaltigkeit, Respekt und verantwortungsvoller Umgang mit der Natur und unseren lebenswichtigen Ressourcen (Wasser, Luft, Lebensmittel, etc.) sind für uns von großer Bedeutung. Zusätzlich können Kinder während der Schulzeit Cello- oder Klavierunterricht nehmen. Diesen zahlen Eltern gesondert.

Bewegung und Sport

Kinder haben bis zu 5000 Bewegungsimpulsen in der Stunde, manche weniger, manche sogar mehr. Gerade im Grundschulbereich ist Bewegung für Kinder essenziell und vielfältige senso-motorische Erfahrungen die Grundlage um zu Lernen. Unsere Kinder können sich frei in den Lerngruppen und in der Schule bewegen. Hierfür gibt es klare Absprachen. Auch sorgen viele Pausen und ein großes Außengelände für vielfältige Bewegungsmöglichkeiten.

Sportunterricht findet altersgetrennt statt um allen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Zudem haben unsere Lerngruppen wöchentlich Schwimmunterricht.

Fremdsprachen und weitere Pädagogische Themengebiete

Unser pädagogisches Team ist vielfältig und so bunt wie das Leben. Jeder hat besondere Ressourcen und bringt eigene Schwerpunkte mit. Neben Philosophieren mit Kindern, Kochen, Backen, kreativen Angeboten wie Handarbeit, Arbeit mit Naturmaterialien, und vieles mehr, haben wir Erwachsene in unserem Team die den Kindern folgende Sprachen anbieten können: Englisch, Französisch und Spanisch.

Anmerkung: dieselbe Haltung gegenüber den Kindern (authentisch, wertschätzend, achtsam) wird auch in der Zusammenarbeit innerhalb des Teams und der gesamten Schulgemeinschaft angestrebt und gelebt.

Altersmischung

Nach Maria Montessori gelingt ein besonders guter Aufbau eines guten Lernverhaltens durch altersgemischte Gruppen. Unsere 4 Lerngruppen sind altersgemischt von Stufe 1-4. Wir beobachten, wie die „Kleinen“ sich an den „Großen“ orientieren, sie von ihnen lernen, sich inspirieren lassen und selbst zu „Großen“ heranwachsen. So findet ein Lernprozess auf beiden Seiten statt und zwar nicht nur im Arbeiten sondern auch im sozialen Gefüge. Es gibt Unterstützung dabei, Konflikte untereinander selbst zu lösen (ohne Erwachsene) und es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, dass Kinder ein intuitives Gespür für echte Notsituationen besitzen, in denen echte Hilfe gefordert ist. Zudem reduzieren altersgemischte Gruppen Rivalität und Konkurrenzdenken. Toleranz, Respekt und Wertschätzung wird gefördert.

Nicht Homogenität, sondern Heterogenität ist das Band sozialen Lebens!

Vertrauen und Elternmitarbeit

Wichtig für unsere Schule ist Vertrauen! Vertrauen in unsere Kinder, dass sie selbstverantwortlich für ihren Lernprozess sein dürfen, ihren eigenen Weg gehen und die Bildungsoptionen in ihrem individuellen Zeitrhythmus wahrnehmen. Gleichzeitig braucht es Vertrauen in die begleitenden und unterstützenden Erwachsenen und ebenso in die Eltern. Unsere Eltern sind über den Trägerverein aktiv in die Schule miteinbezogen und können sich aktiv und kooperativ in das Schulleben einbringen.

„Don’t push the river – it flows by itself.” (Fritz Perls)